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Die Meerenge: Inhaltsangabe

470 Byte hinzugefügt, 19:18, 1. Sep. 2021
Nicht so schlimm
:Wären da nur ihre Magenschmerzen nicht. Sie weiß genau, was sie bedeuten. Es fing vor fünf Jahren an: Blut im Stuhl. Stella reagierte ungewöhnlich, indem sie mehr aß. Sie weiß natürlich, dass ihre Eltern beide an Krebs starben und glaubte, diesen in sich selbst bändigen zu können, indem sie ihn ausgiebig fütterte. Das ging eine Zeitlang tatsächlich gut; jetzt aber sind die Magenschmerzen zurück, und Stella fühlt, dass die Krankheit nun in ihr letztes Stadium eingetreten ist. Sie ist bei diesem Gedanken jedoch gelassen, denn schließlich ist sie 95 und muss daher damit rechnen, dass ihr Leben bald zu Ende geht - immerhin ist sie deutlich älter geworden als ihre Eltern und viele Menschen aus ihrem Umfeld. Bevor Stella das Haus – wie sie selbst weiß zum letzten Mal – verlässt, spuckt sie auf der Toilette Blut.
:Aber sie hat keine Angst, denn endlich hat sie begriffen, was Bill von ihr will. Er will ihr zeigen, dass das Sterben nicht so schlimm ist.
:Draußen ist es eiskalt, und der Wind stürzt sich sofort wie ein Tier auf sie. Stella geht schnurstracks auf ihren Bill zu und wirft keinen Blick zurück auf ihre Insel. Sie hustet weiterhin, spuckt noch mehr Blut, während der Wind und der Neuschnee sie einhüllen, bis Stella sämtliche Bezugspunkte verliert. Sie hat Angst, im Kreis zu laufen und zu erfrieren, denn Bill hat ihr einmal erzählt, dass bei Rechtshändern das rechte Bein ein wenig stärker ist als das linke und man daher unbewusst im Kreis läuft, wenn man eigentlich geradeaus laufen will. Deshalb beginnt Stella so zu tun, als sei ihr rechtes Bein etwas lahm, um die größere Stärke auszugleichen und hofft, so doch gerade auf das Festland zuzulaufen. Gegen die Kälte hilft dies alles natürlich nichts, doch sieht aber Stella auch das Positive: Ihre Hände sind von der Kälte so taub, dass sie ihre vermaledeite Arthritis nicht mehr spüren kann.:Als das Tageslicht sichtbar abnimmt, stürzt sie zum ersten Mal. Sie rappelt sich auf und glaubt, dass sie das Festland deshalb noch nicht erreicht hat, weil sie das künstliche Hinken übertrieben hat und nun eine Diagonale geht. Bei ihrem zweiten Sturz reißt der Wind ihr endgültig die Mütze davon – aber ihr Kopf ist nicht lange ungeschützt: Bill tritt aus dem Schneegestöber und reicht ihr die seine.
:Ihr Mann zieht Stella auf die Beine und geleitet sie weiter. Und da sind noch mehr Schemen, die immer deutlicher werden. [[Carl Abersham]], der vor Jahren mit einem Schiff unterging;, hier ist er, unversehrt, kein verrottendes Skelett. Stellas alte Freundin [[Annabelle Frane]], lange verstorben, die ihr versichert, dass Stella fast am Ziel sei. Sie alle sind da, alle Verstorbenen der vielen Jahre in Stellas Leben.
:Doch Bill ist ihr Anker. Er meint, ihre Zeit sei gekommen und sie müsse keine Angst haben, denn es tue nicht weh. Gemeinsam mit den vielen Gestalten stellt sie sich in einen großen Kreis ... und gemeinsam beginnen sie zu singen.