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Überlebenstyp: Rezension

3.199 Byte hinzugefügt, 10:36, 30. Nov. 2018
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Das Tagebuch des gestrandeten [[Richard Pine]] ist beklemmend geschrieben, besonders zum Schluss hat man eine Gänsehaut, als er sich immer mehr verspeist. Besonders gut gelingt es ihm, dass man nicht mit Pine mitleidet, da er kein sehr angenehmer Zeitgenosse ist und von einer selbstverständlichen Arroganz ausgeht, gerettet zu werden. Er dealt mit Drogen, denkt nur an seinen Gewinn, wenn er gerettet wird und ist zu keinerlei Selbstkritik fähig. Am Ende fragte ich mich, ob er sich seiner Situation wirklich bewusst ist und ob es nicht doch ein bisschen Gerechtigkeit ist, dass er in dieser Situation gelandet ist. Und wer auch nach drei Amputationen, um sich selbst zu ernähren, nur daran denkt eine Schiffsfirma zu verklagen und immer noch davon ausgeht gerettet zu werden, hat eigentlich nichts anderes verdient als so zu leiden.
 
==[[Benutzer:Horaz Klotz|Horaz Klotz]] (3 / 5)==
''Überlebenstyp'' liest auf den ersten Blick wie eine besonders kreative Antwort auf die alte "Was würdest du auf eine einsame Insel mitnehmen?"-Frage. Ein Tagebuch, ein paar Kilo Heroin und Amputationsbesteck - mehr hat Richard Pine nicht dabei, als er auf seiner unbewohnten Insel angespült wird. Doch für den mit allen Wassern gewaschenen Arzt ist das genug, um zu überleben. Zumindest einen knappen Monat.
 
Der Anfang ist dann auch wirklich fesselnd. Pines Inselabenteuer beginnt wie eine düster-moderne Robinson Crusoe-Variante mit einer Bestandsaufnahme, einer HILFE-Botschaft aus Steinen und einem ersten Jagdausflug. Soweit so Standard, aber der alte Kampf Mensch gegen Natur funktioniert eigentlich immer ganz gut. Der Leser fragt sich nur kurz wofür der Autor seinem Schiffbrüchigen unbedingt so viel medizinisches Equipment mitgeben musste. - Bis der Horror zuschlägt und King seinen Inselabenteurer zum Auto-Kannibalen macht. Glücklicherweise erspart uns die Tagbuchform allzu unappetitliche Details, aber allein die Vorstellung eines Menschen, der sich Stück für Stück selbst aufisst um zu überleben ist grauenhaft genug um ''Überlebenstyp'' spielerisch an die Spitze der schaurigsten King-Storys aller Zeiten zu katapultieren.
 
Aber im Gegensatz zu anderen kann ich daran einfach keinen noch so schwarzen Humor finden. Und auch keine karmische Gerechtigkeit, die dem Kleinganoven Pine auf seiner Insel widerfährt. Da muss man schon sehr viel mehr auf dem Kerbholz haben als ein bisschen Rezeptbetrug und Drogenschmuggel, damit ich jemandem ein solches Schicksal wünschen würde. Klar wirkt es etwas absurd, wenn unser Protagonist mitten in der Selbstverstümmelung darüber nachdenkt wen er alles dafür verklagen könnte, aber ich denke mal in so einer Situation würde jeder gern nach einem Schuldigen suchen. Auch die ausführliche Vorgeschichte, die Pine sich ins Tagebuch kritzelt habe ich nicht wirklich unter moralischen Gesichtspunkten gelesen, sondern als Beweis dass der gute Doktor schon immer bereit war alles zu tun um zu überleben - und immer auf den Füßen landen konnte. Bis jetzt jedenfalls. Ohne Füße wird das schwierig. Außerdem musste es ja einen Grund geben, warum Pine zufällig zwei Kilo Heroin dabei hat.
 
Wenn man das komische und das moralische Element abzieht bleibt von der Geschichte leider nicht allzu viel übrig. Kaum mehr als Grauen um des Grauens Willen, das sich für mich ziemlich schnell abnutzt. Wenn man mal begriffen hat, wie Pine überleben will, ist eigentlich klar wie alles ausgehen wird. Amputation Nummer 2 bis 4 sind auch nicht schauriger als Nummer 1. Immerhin funktioniert der alte Kniff mit dem Tagebuch, das von Tag zu Tag unzusammenhängender wird, wieder mal ganz gut. Besonders um zu zeigen, dass der gute Pine zwar rasant an Gliedmaßen verliert, seinen Überlebenswillen aber weiter ungebrochen ist. Ein Überlebenstyp bis zum Schluss. Das ist immerhin nett konsequent und rettet die Geschichte dann auch noch in den 3 Punkte-Bereich.
 
Fazit: Eine Geschichte, die lange im Hals stecken bleibt, aber außer krassestem Körperhorror nicht viel zu bieten hat.
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