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Blockade Billy: Rezension

3.485 Byte hinzugefügt, 09:50, 6. Nov. 2018
Horaz Klotz (3 / 5)
Fazit: Hätte King die Fachausdrücke aufs Minimum reduziert, wäre die Geschichte doch zumindest recht nett. Aber so, Finger weg!
==[[Benutzer:Horaz Klotz|Horaz Klotz]] (3 / 5)==
Zuerst mal - ich kenne mich auch nicht mit Sport aus. Und es interessiert mich auch nicht besonders. Bei der letzten WM habe ich genau ein Spiel gesehen und das auch nur zufällig, weil es grade im Restaurant lief. Trotzdem gefiel mir ''Blockade Billy'' überraschend gut und zwar weil es King perfekt gelingt zu beschreiben, was das Spiel ''für die Beteiligten'' bedeutet. Wenn ich ''Game of Thrones'' sehe, kann ich bei den Schlachten mitfiebern, auch ohne Ahnung von mittelalterlicher Militärstrategie zu haben. Und wenn ich die ''Schachnovelle'' lese fesseln mich die Spiele jedes Mal aufs Neue, auch wenn ich gerade mal weiß wie man die Figuren bewegt. Einfach, weil es für die Charaktere wichtig ist, wie die Duelle ausgehen. So stört es mich auch nicht besonders mich ein paar Seiten lang mit Fachbegriffen berieseln zu lassen, mit denen ich nicht viel anfangen kann. Klar - ich habe auch stellenweise keine Ahnung, wer jetzt genau mit welcher Strategie wen reinlegen will. Aber King schafft es trotzdem Spannung aufzubauen wenn Coach Grantham die dramatischen Spiele von damals noch einmal aufleben lässt.
 
Der Twist selbst hat dann ja zum Glück auch nicht viel mit Sport zu tun. Nach dem Geplänkel um Sportverletzungen und ein mysteriöses Pflaster zieht unser Autor schnell noch einen echten Mordfall aus dem Ärmel. Und irgendwie bekommt das ganze gleich noch eine größere Schockwirkung, gerade weil es vorher soviel vergleichsweise harmloses Sportgeplänkel gab, bei dem außer Sieg oder Niederlage nichts auf dem Spiel stand. Dass diese Geschichte um einen einsamen Killer und eine Farm voller Leichen dabei nicht immer Sinn macht ist ein bisschen ärgerlich, macht die Auflösung aber nicht kaputt. Wenn man sich ein bisschen mit ähnlich gelagerten realen Morden beschäftigt - Stichwort Hinterkaifeck - merkt man schnell, dass auch im echten Leben oft nicht alles ganz rational erklärt werden kann, es immer wieder Widersprüche gibt und manchmal so haarsträubende Zufälle mit reinspielen, das man sie jedem Krimiautor um die Ohren gehauen hätte.
 
Daneben finde ich die Brüche im Charakter unseres jungen Baseball-Mörders ganz interessant gezeichnet. Die Mischung aus dümmlich-sympathischem Bauernjungen und eiskaltem Killer funktioniert erstaunlich gut. Und ich habe ihn trotz aller düsteren Vorzeichen gern auf seinem kurzen Weg zum Sportstar begleitet. Auch das Finale ist dann richtig spannend gemacht. Heute liest es sich ein bisschen wie eine frühe Version der ''Outsider''-Eröffnungsszene. Wieder kommt es zur Verhaftung eines mutmaßlichen Mörders bei einem Baseball-Spiel. Diesmal entscheiden sich die Polizisten den Verdächtigen unauffällig nach dem Spiel einzukassieren um eine dramatische Szene vor Publikum zu vermeiden. Und wieder ist es die falsche Entscheidung. Dafür dass die Geschichte bis hier - trotz blutiger Morde - recht kurzweilig heruntererzählt ist, fand ich den Schluss dann aber ein bisschen zu hoffnungslos. Unser Mörder, der sich bisher so wacker mit verschiedenen Identitäten durchgeschlagen hat, wird einfach festgenommen und Grantham muss bei Virtuellem Bowling im Altenheim schmoren. Hier hätte ich mir ein wenn nicht optimistischeres, doch wenigstens offeneres Ende gewünscht.
 
Fazit: King knüpft mal wieder an seine alten Sportberichterstatter-Tage an und spendiert uns nebenbei noch einen blutigen Twist. Das funktioniert - für mich - erstaunlich gut.
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