Paranoider Mensch

Stephen Kings in Gedichtform geschriebene Kurzgeschichte Paranoid: Ein Gesang berichtet über den Verfolgungswahn eines paranoiden Menschen.

Die Person glaubt von Männern verfolgt zu werden, die an Straßenecken stehen und sie beobachten, die durch die Abwasserrohrer kriechen und ihre Telefone belauschen und Menschen, die ihren Namen in den Todesanzeigen suchen.

Über die Person ist nicht viel bekannt - nicht einmal der Name oder das Geschlecht. Alles, was der Leser erfährt, ist, dass er/sie einen Bruder hat, dessen Frau Russin ist (was immer das dem Leser sagen soll), dass seine/ihre Mutter bereits verstorben ist und er/sie Amulette trägt und Gesänge kennt.

Die Person führt einen Monolog, der sich an einen unbekannten Zuhörer (Leser) richtet, der - in der deutschen Übersetzung - gesiezt wird. Hin und wieder werden die Verfolger auch direkt angesprochen und aufgefordert zu verschwinden. Zu Beginn des Gesangs wird deutlich, dass die Handlungen der Person deutlich die Normalität übersteigen. Die gemachten Notizen werden nicht einmal, sondern fünfhundertmal aufgeschrieben und in einzelne Briefcouverts gepackt und verstaut.

Er oder Sie?

Das Geschlecht der Person wird nicht beschrieben. In der Verfilmung wird sie jedoch von einer Frau gespielt.

Die deutsche Übersetzung bietet einen Ansatz, der aber nicht unbedingt der richtige sein muss. Andere Fälle sind bekannt und berüchtigt.

In der Kurzgeschichte taucht der Satz: "Möchtest du etwas Kaffee, Liebste?" auf. Das kann so oder so interpretiert werden:

  1. ER fragt seine Frau, ob sie etwas Kaffee möchte, was die Vermutung aufwirft, dass ER sie als Spionin erkannt hat und sie vergiften will. ER betont, dass ER seine Verfolger jederzeit vernichten könnte.
  2. SIE wird von ihrem Mann gefragt, ob SIE etwas Kaffe (Gift?) möchte - aber wozu schreibt sie es dann auf?

Was wäre wenn...

Ziel Kings ist es mit dieser Erzählung sicherlich, das große Tor der Was-wäre-wenn-Fragen aufzustoßen. Anstatt der Person Wahnvorstellungen nachzusagen, sollte der Leser versuchen, sich vorzustellen, was wäre, wenn er/sie recht hätte?!

Ein interessantes Gedankenspiel beginnt und endet mit der totalitären Infragestellung der eigenen Welt: wem kann man noch vertrauen? Dem Postboten? Dem Nachbarn? Der eigenen Familie?

Als Gedankenanstoß sei erwähnt, dass bei King öfter Männer auftreten, die sich in den beschriebenen Regenmänteln kleiden und beinahe ungesehen durch die Welt gehen: die Niederen Männer!

Genannt seien nur als Beispiele: Atlantis, Der Buick und der Dunkle-Turm-Zyklus.

Ähnlich wie Ted Brautigan könnte es sich im Falle dieser Person um einen entflohenden Brecher handelt, der entweder zurück nach Algul Siento gebracht oder getötet werden soll.

V E Artikel über Paranoid: Ein Gesang
KurzgeschichteInhaltsangabeRezensionVerfilmung
Charaktere:Paranoider MenschBruder des Paranoiden MenschenMutter des Paranoiden MenschenSchauplätze:25ste und Lexington VirginiaWohnung des Paranoiden MenschenImbissbudeSonstiges: Paranoide VorstellungenCIAFBIGedichtTagebuchZwangsstörungen