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Wolfsmond: Rezension

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Version vom 18. Februar 2008, 22:41 Uhr von Croaton (Diskussion | Beiträge) (meine Meinung dazu)


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Wörterschmied (2 / 5)

In diesem Werk lehrt King uns eines: der Weg zum Turm ist ein Weg voller Umwege. Roland und seine Gefährten reisen von Wild-Western über Science-Fiction bis hin zum Horror. Der Wörterschmied hatte um die Jahrtausendwende eine schwere Zeit, daher kann ihm teilweise verziehen werden, dass er den langen, langen Umweg durch das Fantasy-Land nimmt - aber wirklich nur teilweise.

Wolfsmond ist das, was der Architekt als Eklektizismus bezeichnet und sich danach den Mund ausspült: eine Ansammlung wild durcheinander gewürfelter Einzelelemente aus passenden und unpassenden Quellen zusammengefügt, nur zusammengehalten durch den subjektiven Sinn des Bauherrn für Ästethik.

Wir erleben Roboter, die uns unser Horroskop vorhersagen, Teller werfende Amazonen, hirnlose Klone von Tom Cullen, Marvel-Bösewichte und vor allem eins: Nebenhandlung! Lange Palaver und unangenehme Personen, die sich in ihrer Individualität kaum unterscheiden, geben sich die Klinke in die Hand.

Wenigstens die fünf Minuten Kampf (nach dreißigtausendzweihundertvierzig Minuten Vorbereitungszeit) sind lesenswert, genauso wie der Hintergrundkonflikt, in den die Slightmans Roland und Jake stürzen. Allerdings hat auch der finale Kampf gegen die Wölfe seine Schwachstellen.

Die Laserschwerte - kein Problem, Star Wars ist eine geniale Filmreihe.

Die Dr. Doom-Wölfe - naja, kam man mit leben.

Aber Schnaatze? Ich war froh, dass Rowling dieses zwar lustige aber dennoch völlig langweilige Spiel nach einer gewissen Zeit in ihren Werken auf ein Minimum reduziert hat - und dann erinnert mich King wieder an dieses tolle Spiel, wo der Held trotz mangelnder Vorkenntnisse, trotz Unterlegen-weil-zu-nett-Syndrom, trotz übermächtiger Gegner zum Superstar wird. Diese Waffen sind sehr in Szene gesetzt, aber allein der Name lässt mich immer wieder beim Lesen aufs Cover gucken, ob ich wirklich einen King-Roman aus dem Regal gezogen und mich nicht vergriffen habe.

Alles in allem ist Wolfsmond ein 3-Groschen-Brot, das im Winter 1929 auf einmal 6-Milliarden kostet: Ist die Inflation nicht des kleinen Latinums nach, eine einzige große Aufblähung von Wenig auf Viel von Wenig? Sollten sechshundert Seiten beim Lesen in der U-Bahn plötzlich rausfallen, würde ich mich nicht bücken, sie aufzuheben und wieder reinzukleben.

Wolfsmond ist klar der Tiefpunkt der dramatischen Saga.

Croaton (4 / 5)

Nach dem unglaublich zähen vierten Teil der Saga vom Dunklen Turm (siehe auch Glas: Rezension), findet Stephen King mit Wolfsmond wieder zu seiner alten DT-Form zurück. Vor allem im englischen Original kristallisiert sich eine gelungene Sprache für den Rest des Zyklus heraus, ausgehend vom Dialekt, den Roland Deschains Ka-Tet in Calla Bryn Sturgis antrifft. (Ich kenne nur Auszüge aus dem Deutschen, und die Sprachgewalt des Originals kann meines Erachtens auch nicht annähernd erreicht werden. Wirkt das Ka-Tet im Original distinguiert und erhaben, verkommen ihre Aussprüche und Redewendungen bei der Übersetzung zur Lächerlichkeit.)

Band V ist ein wichtiger Teil der Saga, denn für Revolvermänner kann es nicht genug sein, dass sie einfach nach dem Dunklen Turm suchen – sie müssen sich bewähren, müssen kämpfen, müssen zeigen, was in ihnen steckt. Es ist die Hauptaufgabe eines Revolvermanns, Hilfe zu leisten – und so kommen sie in die Calla, um den dortigen Bewohnern bei ihrem immer wiederkehrenden Kampf gegen die schrecklichen Wölfe beizustehen.

Doch ist dies nicht die einzige Handlung: Susannah Dean spaltet ihren Geist in ihrer Schwangerschaft erneut und wird Mia; Donald Callahan aus Jerusalem's Lot kehrt zurück; die Rote Rose in New York City ist bedroht und es beginnt das Flitzen (siehe auch Absurde Übersetzungen!!) ...

Wolfsmond ist von der ersten bis zur letzten Seite spannend, die Idee der Zwillinge, die minder von Donnerschlag zurückkommen, ein gelungener Kunstgriff. Vor allen Dingen natürlich ist der Roman ein wilder Mix aus Western, Science-Fiction (ich sage nur: Schnaatze! Lichtstäbe!), Horror (Callahans Kampf gegen die Vampire) und Fantasy (das Flitzen und die Kammen) – und gerade das hält den Leser bei der Stange. Wie schon Roland zu Jake Chambers meint: "Wollen die Menschen in eurer Welt immer nur einen Story-Geschmack gleichzeitig? Isst denn niemand Eintopf?" Wolfsmond ist ein solcher Eintopf, fürwahr. In der Tat, wenn's beliebt. (Was für eine dämliche Übersetzung von You say true, I say thankya!)

Der größte Pluspunkt der Geschichte ist für mich die Wendung am Ende, die natürlich der gesamten Restsaga eine völlig neue Richtung gibt. Viele waren enttäuscht, ich jedoch sofort restlos begeistert. Aber einen Punktabzug gibt's trotz allen Überschwangs. So faszinierend Donald Callahan auch sein mag (er ist es!) – die drei Kapitel über seine Geschichte nach Brennen muss Salem sind zuviel des Guten. Sie sind streckenweise langatmig, nehmen fast 20 Prozent des Romans ein (im Taschenbuchformat von Heyne knapp 170 Seiten!) und bringen einen zu lange aus der "eigentlichen" Handlung raus.

Fazit: Nachdem ich die Saga schon am Boden sah, ein starker Wiedereinstieg, der den Weg für die restlichen Bände ebnet – leider mit typisch Kingschen Längen.