Überlebenstyp: Rezension

Version vom 30. November 2018, 12:14 Uhr von Horaz Klotz (Diskussion | Beiträge) (Horaz Klotz (3 / 5))


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Croaton (5 / 5)

Was mir bei vielen Kurzgeschichten von Stephen King so gut gefällt, sind die zentralen Bilder, die man danach nie mehr los wird und die den Geschichten eine Sonderstellung in Kopf und Herz des Fans einräumen. Überlebenstyp könnte dafür das Paradebeispiel schlechthin sein. Ein Mann, der versucht zu überleben, indem er sich selbst Teile seines Körpers amputiert, um sie zu essen? Wie will man so etwas jemals vergessen?

Doch auch das Wie hat es in sich. In Tagebuchform verfasst schildert die Story den langsamen Verfall von Richard Pines Körper und Verstand; ähnlich wie in Das Ende des ganzen Schlamassels verkommen die Einträge - hier durch Blutverlusst und Schock, in Schlamassel krankheitsbedingt - zu kaum noch verständlichen Satzfragmenten, bis Pines Tagebuch mit "Löffelbiskuits sie schmecken genau wie Löffelbiskuits" endet ... er meint seine Ohrläppchen.

Dass King den Anfang etwas in die Länge zieht, fand ich beim ersten Lesen nervig; schließlich aber wurde mir klar, dass diese sehr geschickte indirekte Charakterisierung es dem Leser ermöglicht, den nötigen Abstand zu dem durchwegs unsympathischen Pine zu gewinnen - hätten wir Mitleid mit ihm, wären die Amputationsszenen wohl kaum zu ertragen; so aber kann jeder mit schwarzem Humor gesegnete Leser sie ... verdauen.

Fazit: Pines Überlebenskampf gehört zu der Sorte "widerlich und grausam" - vor allem aber "unvergesslich".

Mr. Dodd (5 / 5)

Auch wenn Stephen King selbst behauptet, wenn diese Geschichte Erfolg hat, kann er auch seine Einkaufszettel gewinnbringend verkaufen, ist sie für mich dennoch eine seiner besseren Kurzgeschichten.

Das Tagebuch des gestrandeten Richard Pine ist beklemmend geschrieben, besonders zum Schluss hat man eine Gänsehaut, als er sich immer mehr verspeist. Besonders gut gelingt es ihm, dass man nicht mit Pine mitleidet, da er kein sehr angenehmer Zeitgenosse ist und von einer selbstverständlichen Arroganz ausgeht, gerettet zu werden. Er dealt mit Drogen, denkt nur an seinen Gewinn, wenn er gerettet wird und ist zu keinerlei Selbstkritik fähig. Am Ende fragte ich mich, ob er sich seiner Situation wirklich bewusst ist und ob es nicht doch ein bisschen Gerechtigkeit ist, dass er in dieser Situation gelandet ist. Und wer auch nach drei Amputationen, um sich selbst zu ernähren, nur daran denkt eine Schiffsfirma zu verklagen und immer noch davon ausgeht gerettet zu werden, hat eigentlich nichts anderes verdient als so zu leiden.

Horaz Klotz (3 / 5)

Überlebenstyp liest auf den ersten Blick wie eine besonders kreative Antwort auf die alte "Was würdest du auf eine einsame Insel mitnehmen?"-Frage. Ein Tagebuch, ein paar Kilo Heroin und Amputationsbesteck - viel mehr hat Richard Pine nicht dabei, als er auf seiner unbewohnten Insel angespült wird. Doch für den mit allen Wassern gewaschenen Arzt ist das genug, um zu überleben. Zumindest einen knappen Monat.

Am Anfang ist dieser Überlebenskampf dann auch wirklich fesselnd. Pines Inselabenteuer beginnt wie eine düster-moderne Robinson Crusoe-Variante mit einer Bestandsaufnahme, einer HILFE-Botschaft aus Steinen und einem ersten Jagdausflug. Soweit so Standard, aber der alte Kampf Mensch gegen Natur funktioniert eigentlich immer ganz gut. Der Leser fragt sich nur kurz wofür der Autor seinem Schiffbrüchigen unbedingt so viel medizinisches Equipment mitgeben musste. - Bis der Horror zuschlägt und King seinen Inselabenteurer zum Auto-Kannibalen macht. Glücklicherweise erspart uns die Tagbuchform allzu unappetitliche Details, aber allein die Vorstellung eines Menschen, der sich Stück für Stück selbst verschlingt um zu überleben ist grauenhaft genug um Überlebenstyp spielerisch in die oberen Ränge der schaurigsten King-Storys aller Zeiten zu katapultieren.

Aber im Gegensatz zu anderen kann ich in der Geschichte einfach keinen noch so schwarzen Humor finden. Und auch keine karmische Gerechtigkeit, die dem Kleinganoven Pine auf seiner Insel widerfährt. Da muss man schon sehr viel mehr auf dem Kerbholz haben als ein bisschen Rezeptbetrug und Drogenschmuggel, damit ich jemandem ein solches Schicksal gönnen würde. Klar wirkt es etwas absurd, wenn unser Protagonist mitten in der Selbstverstümmelung darüber nachdenkt wen er alles dafür verklagen könnte, aber ich denke mal in so einer Situation würde jeder gern nach einem Schuldigen suchen. Auch die ausführliche Vorgeschichte, die Pine sich ins Tagebuch kritzelt habe ich nicht wirklich unter moralischen Gesichtspunkten gelesen, sondern als Beweis dass der gute Doktor schon immer bereit war alles zu tun um zu überleben - und immer wieder auf den Füßen landen konnte. Bis jetzt jedenfalls. Außerdem musste es ja einen Grund geben, warum Pine zufällig zwei Kilo Heroin dabei hat.

Wenn man das komische und das moralische Element abzieht bleibt von der Geschichte leider nicht allzu viel übrig. Kaum mehr als Grauen um des Grauens Willen, der sich für mich ziemlich schnell abnutzt. Wenn man mal begriffen hat, wie Pine überleben will, ist eigentlich klar wie alles ausgehen wird. Amputationen Nummer 2 bis 4 sind auch nicht schauriger als Nummer 1. Immerhin funktioniert der alte Kniff mit dem Tagebuch, das von Tag zu Tag unzusammenhängender wird, wieder mal ganz gut. Besonders um zu zeigen, dass der gute Pine zwar rasant an Gliedmaßen verliert, seinen Überlebenswillen aber weiter ungebrochen ist. Ein Überlebenstyp bis zum Schluss. Das ist immerhin nett konsequent und rettet die Geschichte dann auch noch in den 3 Punkte-Bereich.

Fazit: Eine Geschichte, die lange im Hals stecken bleibt, aber außer krassestem Körperhorror nicht viel zu bieten hat.


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Sonstiges: AmputationTagebücher