Hinterlassenschaften: Rezension

Version vom 12. November 2008, 19:50 Uhr von Croaton (Diskussion | Beiträge) (hat „Nachgelassene Dinge: Rezension“ nach „Hinterlassenschaften: Rezension“ verschoben: deutscher Titel)


Vorhandene Rezensionen
Romane
Kurzgeschichten
Hörbücher
Filme
Expertenrezensionen
Zum Portal
Rezension schreiben
  1. Gehe in der oberen Leiste auf Bearbeiten
  2. Trage deinen Benutzernamen in eine Überschrift
  3. Füge in (Klammern) eine Wertung von 0 (sehr schlecht) bis 5 (genial!) ein
  4. Schreibe deine Meinung!
==Benutzername (? / 5)==
deine Meinung

Viel Spaß!

Croaton (5 / 5)

Eine Geschichte wie ein Schlag in die Magengrube. Nachgelassene Dinge ist Stephen Kings Aufarbeitung der Terroranschläge vom 11. September 2001 aus der Sicht eines Überlebenden. Scott Staley macht an genau diesem Tag blau und geht nicht zur Arbeit in der Versicherungsfirma Light and Bell im 110. Stock des World Trade Centers. Doch so einfach kommt er nicht davon: Ein knappes Jahr später holt ihn die Vergangenheit ein, als in seinem Apartment auf einmal Dinge auftauchen, die Scott eindeutig seinen verstorbenen Mitarbeitern zuordnen kann. Da diese Dinge aber immer im Büro waren, müssten sie mit vernichtet worden sein. Aber hier sind sie - und Scott wird sie nicht los, bis er endlich begreift, was er zu tun hat: Er soll sie den Hinterbliebenen der Opfer zurückgeben, denn denen können sie Trost spenden ...

Die Geschichte ist nicht einfach zu lesen, da sie wimmelt vor literarischen Anspielungen und Erwähnungen typisch amerikanischer Dinge oder Persönlichkeiten, zu denen uns in der Regel der Bezug fehlt (und weil King es für nötig befand, gleich fünf seiner wichtigsten Charaktere auf -on enden zu lassen, was sehr verwirrt!). Doch die Einzelschicksale, die King beleuchtet - allen voran die der Verstorbenen Sonja D'Amico und Roland Abelson - gehen einem sehr an die Nieren. Es ist mutig von King, die letzten Minuten eines im WTC zum Tode Verurteilten zu schildern, und dass sie gleichzeitig grausam (Rolands Haare brennen lichterloh) als auch banal sind (er möchte so gerne noch einmal seinen Rasen mähen), machen sie so greifbar und schockierend. King scheut auch nicht davor zurück, das in den USA viel diskutierte Bild The Falling Man zu evozieren, das einen in den Tod springenden Mann zeigt (siehe auch hier) - diese quasi erzwungenen Selbstmorde wurden in Amerika im Nachhinein tabuisiert und als grausamster Aspekt der Anschläge totgeschwiegen.

Fazit: Eine mutige und klug erzählte Geschichte der Kategorie "Harte Kost".


Vorlage:Weiterführend Nachgelassene Dinge