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Revival: Inhaltsangabe (Teil I)

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Stephen Kings Roman Revival ist in 14 Kapitel unterteilt, die jeweils mit kurzen Ausblicken auf den Kapitelinhalt überschrieben sind.

Zum zweiten Teil der Inhaltsangabe geht es hier entlang.
Das Cover der deutschen gebundenen Ausgabe
Das Cover des deutschen Taschenbuchs

1: Der Fünfte im Spiel. Der Schädelberg. Der See des Friedens.

Ich-Erzähler Jamie Morton sieht das wahre Leben in einem wesentlichen Punkt wie einen Film: Es gibt einige Hauptdarsteller, eine Menge Nebenrollen und Statisten - und das, was man im Filmgeschäft den "fünften im Spiel" nennt, eine ganz besonders wichtige Figur, die alles verändert. Für ihn war Charles Jacobs ein solcher Mensch, und bis heute will er glauben, dass das, was geschah, reiner Zufall und keine Bestimmung war; sonst nämlich gäbe es in dieser Welt kein Licht, sondern nur Dunkelheit ...
Jamie ist 1962, in dem Jahr, in dem er Jacobs kennen lernt, gerade sechs geworden. Er ist das jüngste Kind einer Großfamilie. Claire, das älteste Kind und Jamies einzige Schwester, schenkt ihm eine Metallbox voller Spielsoldaten, ein Geschenk, das ihn vollauf begeistert und mit dem er an jenem Tag eine Schlacht der Amerikaner gegen die Deutschen nachstellt. Zentraler Austragungsort des Gefechts ist ein Schlammhaufen, den Jamie "Schädelberg" getauft hat, und er plant gerade die alles entscheidende Attacke, als ein Schatten über ihn fällt und die Welt für einen Augenblick ihren Atem anzuhalten scheint.
So macht er die Bekanntschaft des neuen Reverends Charles Jacobs, der in dem kleinen Harlow [1] die Nachfolge des kürzlich verstorbenen Predigers Bill Latoure antritt. Jamie hat bereits von ihm gehört, weiß noch, dass seine Eltern sich vorab darüber wunderten, wie jung der neue Geistliche ist. Jamie mag Charles Jacobs sofort, besonders weil der sich sehr für sein Spiel interessiert und ihm sogar einen strategischen Tipp gibt, wie die Amerikaner die Schlacht für sich entscheiden können. An dieser Stelle schon verrät Jamie dem Leser, dass seine Schwester Claire bald in Jacobs verknallt sein wird - und dass man diesen bereits drei Jahre später hochkant feuern wird.
Doch Jamies ganze Familie ist begeistert von dem neuen Reverend, der momentan noch auf seine Familie wartet: Seine Frau Patsy und sein erst zweijähriger Sohn Morrie kommen bald nach. Jacobs, ein begeisterter Bastler und großer Fan von allem, was mit Elektrizität zu tun hat, nutzt die Zeit der Einsamkeit, um in seiner Garage ein wahres Wunderwerk aufzubauen, das er schließlich einem völlig faszinierten Jamie enthüllt: Es ist eine Miniaturlandschaft, komplett mit Stromleitungen und Straßenlampen, Kühen, Wiesen - und einem großen, durch eine optische Täuschung tief aussehenden Gewässer namens "See des Friedens". Jacobs hat sich ins Zeug gelegt und scheint zaubern zu können: Ein Wink von ihm, und sämtliche Straßenlichter gehen an, dann lässt er auch noch eine Jesusfigur übers Wasser wandeln, wobei er Jamie die entsprechende Bibelgeschichte erzählt.
Doch Jacobs ist kein Magier, lässt Jamie an den Geheimnissen teilhaben: Eine Lichtschranke schaltet die Straßenlaternen ein und aus, eine dünne, geschickt unsichtbar gemachte Schiene hat es Jesus erlaubt, das Wasser zu überqueren. Trotz dieser mondänen Erklärungen liebt Jamie diesen Aufbau und hilft Jacobs auch nach der Ankunft von dessen Familie, die Spiellandschaft in den Keller der Kirche zu transportieren, wo Jacobs bald jeden Donnerstagabend für die Ortsjugend religiöse Treffen veranstalten wird.
Leider durchblicken viele Kinder den Trick sehr schnell und sind davon bald ermüdet. Jamie möchte seinen neuen Freund gerne verteidigen ... leider aber muss er zugeben, dass auch er selbst die Lust am See des Friedens bereits verloren hat.

2: Drei Jahre. Conrads Stimme. Ein Wunder.

Jacobs wird wegen einer Rede gefeuert, die er im November 1965 hält - doch die drei Jahre davor ist die Gemeinde von ihm begeistert. Die Kirche ist anfangs voll wie nie, seine bibeltreuen Predigten reißen die Gläubigen mit, die Jugendlichen werden schnell Fans der Donnerstagabende, denn Jacobs hat mehr auf Lager als seinen Friedlichen See: Seine sehr gut aussehende Frau Patsy spielt die Orgel und gibt schon einmal Stücke von den Beatles zum Besten; außer Bibellektionen gibt es Baseballspiele und wilde Schlittenfahrten.
Doch im Februar 1965 ereilt Jamies Familie ein ebenso unerwarteter wie rätselhafter Schicksalsschlag: Jamies Bruder Conrad verletzt sich beim Skifahren scheinbar harmlos am Hals, doch innerhalb weniger Tage verliert er die Stimme und wird stumm. Der Arzt, den sie aufsuchen, spielt das Problem herunter - es handele sich nur um eine Überdehnung, nichts Bleibendes -, doch als der Frühling kommt und sich Conrads Zustand nicht verbessert hat, wissen Laura Morton und ihr Mann Richard, dass es Zeit für einen Spezialisten ist. Doch Richard, der im Ort Öl verkauft, ist nach einem besonders milden Winter so gut wie pleite und kann sich einen Experten nicht leisten. Es kommt zu einem heftigen Streit, den Jamie nicht ertragen kann. So rennt er aus dem Haus - direkt in die Arme von Patsy, der er sein Leid klagt. Sie weiß, was zu tun ist: Conrad soll zu ihrem Mann Charlie kommen.
Claire und Jamie kommen mit, als Conrad den Rat annimmt. Doch Conrad hat wenig Hoffnung, erwartet weitere Gebete (Charles Jacobs hat seit Conrads Unfall jeden Donnerstag für ihn gebetet), doch rechnet nicht mit dieser Überraschung: Charlie hat in seinem Schuppen über Monate hinweg eine Art elektrischen Gürtel gebastelt, den er Conrad nun umlegt. Zwei Minuten lässt er schwachen Strom fließen ... und danach kann Conrad wieder sprechen. Heiser erst, doch nach ein paar Gläsern Wasser ist seine Stimme so gut wie wiederhergestellt.
Das Wunder schlägt ein wie eine Bombe in der Familie Morton, die an jenem Abend Conrads Genesung feiert. Doch Claire nimmt Jamie beiseite. Sie ist überzeugt, dass Charlie diesen Gürtel nicht, wie er behauptete, bereits seit Monaten herstellte, sondern in kürzester Zeit extra gebastelt hat. Und zwar nicht für Conrad, sondern vielmehr, um Jamie eine Freude zu machen. Auch Jamie hat eine Intuition: Er glaubt, dass Charlie selbst überrascht war, dass sein Gürtel überhaupt funktionierte.

3: Der Unfall. Die Geschichte meiner Mutter. Die Furchtbare Predigt. Abschied.

Ein fürchterlicher Unfall erschüttert die Gemeinde Harlow. Der überall beliebte Farmer George Barton bekommt hinter seinem mit einer Egge versehenen Truck einen epileptischen Anfall, verliert die Kontrolle über sein Fahrzeug und rammt frontal in das von Patsy Jacobs gelenkte Auto; sie war gerade mit ihrem Sohn zum Einkaufen unterwegs. Als Adele Parker, die gerade in entgegengesetzter Richtung unterwegs war, dazukommt, spielt sich vor ihren Augen eine schreckliche Szene ab: Patsy trägt ihren schwerverletzten Sohn einarmig über die Straße - der andere Arm ist am Ellenbogen abgetrennt - und schreit um Hilfe für Morrie, der nach dem Unfall kein Gesicht mehr hat. Adele weiß nicht, was sie tun soll, als der Korea-Veteran Fernald DeWitt dazustößt. Mit einem Blick erkennt er, dass Patsy und Morrie nicht mehr zu retten sind, kümmert sich stattdessen um George, dem er tatsächlich helfen kann und der als Einziger den Zusammenstoß überlebt.
Da Jamies Mutter Laura den Jacobs' eine gute Freundin und die nächste Nachbarin ist, wird ihr die grausame Aufgabe zuteil, Charles über den Tod seiner Familie zu informieren. Elf Jahre später, als Laura krebskrank auf dem Totenbett liegt, vertraut sie sich Jamie an, erzählt ihm ihre Geschichte jenes schrecklichen Tages. Wie Charlie es einfach nicht glauben wollte und vor Schock immer wieder mit dem Kopf gegen die Wand rammte. Wie sie mit ihm zu dem Bestattungsunternehmen nach Gates Falls fuhr. Und vor allem, wie er dort brüllte, als er seinen toten Sohn sah: "Wo ist sein Gesicht? Wo ist das Gesicht meines kleinen Jungen?"
Zu jener Zeit sind zwei Kirchen in Harlow angesiedelt: Die gemäßigten Methodisten und die Shilohisten, die für eine härtere Gangart bekannt sind und auch schon einmal Peitschenhiebe für die Erziehung befürworten. Jamie ist nicht bei der Doppel-Beerdigung dabei, hört aber, dass Stephen Givens von den Shilohisten von Charlie dafür bestimmt wurde, was bei einigen für erhobene Augenbrauen sorgt, auch wenn die Zeremonie würdevoll ist und ohne apokalyptische Warnungen vor dem Ende der Welt auskommt.
Es dauert einige Wochen, bis Charlie selbst wieder bereit ist, in die Kanzel zu steigen - und am 21. November 1965 ist es soweit. Er hält die Predigt, die ihn seine Stelle kosten wird, wegen der er aus Harlow verjagt werden wird, die Rede, die das Leben des neunjährigen Jamie Morton für immer verändern wird. Charlie hat seit dem Tod seiner Familie Zeitungsausschnitte gesammelt, und es ist eine Ansammlung von Grausamkeiten, die er seiner Gemeinde entgegenschleudert: Die Gläubigen, die sich zum Dankgebet in einer Kirche versammelten, weil ihr Ort von Tornados verschont wurde und von denen über vierzig in der Kirche starben, als ein Tornado sie niederriss. Der Vater, der mit seinen zwei Kindern ertrank, weil sie den Familienhund aus dem Wasser retten wollten. Der Hurrikan, der sechs Kinder in einem kirchlichen Kindergarten tötete. Charlie könnte immer so weiter machen, schwenkt nun aber um, stellt - während das Gemurmel in der Kirche beginnt und die ersten Gläubigen sogar schon gehen - die Gräueltaten dar, die im Namen der Kirche begangen wurden, fragt sich, wie es sein kann, dass es allein für den christlichen Glauben dutzende Untersekten gibt, die alle für sich den Anspruch erheben, den alleinigen Draht zu Gott zu haben - ganz zu schweigen von allen anderen Glaubensrichtungen. Was ist denn nun die Wahrheit? Reggie Kelton erhebt sich, will Jacobs zum Schweigen bringen, doch der lässt sich das Wort nicht mehr verbieten: Das Versprechen, im Himmel Gottes Wege zu verstehen, ist die Karotte, die uns zeitlebens vor die Nase gehalten wird, doch es ist alles eine Lüge - Religion ist wie eine Versicherung, in die man sein ganzes Leben lang einzahlt und die sich letztendlich als nicht existente Scheinfirma erweist.
Das ist genug für Roy Easterbrook. Er steht auf und fährt Jacobs an: Jeder im Ort wisse, dass Jacobs und seine Frau Alkoholiker seien, Laura sei zum Zeitpunkt ihres Todes betrunken gewesen - das sei die Erklärung für den Unfall, nicht der unverständliche Wille Gottes. Mit zusammengebissenen Zähnen bringt Charlie seine Predigt zu Ende, doch er verlässt die Kirche als gebrochener Mann.
Jamie kann alles nicht fassen und fragt seinen Vater, ob diese Gerüchte um die Jacobs stimmen. Richard Morton hat diese auch gehört, weiß aber nicht, ob er sie glauben soll und hält dies auch für völlig irrelevant. Niemand hätte dem Truck ausweichen können, ob nüchtern oder betrunken. Richard weiß nur, dass manche Leute - wie Easterbrook - einfach immer einen Grund brauchen für schreckliche Ereignisse ... Doch manchmal gibt es einfach keinen. Alles, was Jacobs auf der Kanzel von sich gab, sei dennoch nur das dumme Gerede eines vor Kummer zermürbten Mannes.
Es dauert nicht lange, da wird klar, dass Jacobs entlassen werden wird. Jamies Mutter nimmt Abschied von ihm, untersagt Claire jedoch, sie zu begleiten. Jamie will unbedingt auch gehen - heimlich, wenn es sein muss. Er ist überzeugt davon, dass Conrad ihn begleiten wird, doch der verweigert das rundweg. Jacobs habe kein Wunder an ihm bewirkt; seine Stimme wäre auch so wieder zurückgekommen. Als Conrad das Gerücht wiederholt, dass Jacobs nichts weiter als ein Trunkenbold ist, steigen Jamie Zornestränen in die Augen - doch Conrad ist nicht zu überzeugen, wird niemals mehr über den Reverend sprechen.
So nimmt Jamie am Dienstag von Charlies Abreise alleine Abschied von ihm. Er drückt sich an den Erwachsenen, will ihn nicht gehen lassen, gibt ihm in seiner Überzeugung Recht, dass das Leben unfair ist. Er beichtet ihm sogar, dass Conrad nicht dankbar ist, ein perfektes Beispiel für diese Unfairness. Doch Charlie überrascht ihn: Er selbst glaubt, dass sein in der Tat hastig aus dem Boden gestampftes Gerät nur funktionierte, weil Conrad fest daran glaubte, es war nichts weiter als eine Art ausgefeiltes, elektrisches Placebo. Doch da sie schon bei Charlies Lieblingsthema, der Elektrizität, sind, verrät er Jamie ein Geheimnis: Auf der höchsten Erhebung Harlows, dem Gout Mountain, befindet sich an der sogenannten Himmelsspitze ein sechs Meter hoher Eisenmast, dessen ursprüngliche Funktion niemand mehr kennt. Doch er ist nicht verrostet - weil er so oft von Blitzen getroffen worden ist. Die Himmelsspitze nämlich ziehe Blitze nur so an, und wenn es so etwas wie eine Krönung der Elektrizität gibt, dann wohl einen Blitz mit seinen 30.000 Grad Hitze.
Aber genug geredet, Jacobs will aufbrechen. Er murmelt Jamie noch ins Ohr, dass er ihm im Keller des Pfarrhauses etwas hinterlassen hat, dann steigt er in seinen Wagen und verschwindet; Jamie kann die Tränen nicht lange zurückhalten. Als er später in den Keller geht, findet er dort den Friedlichen See und ist zutiefst enttäuscht über dieses 'Geschenk'. Voller Wut schleudert er die lächerliche Jesusfigur gegen die Wand: "Du sollst verflucht sein, Jesus!"
Nach Charles Jacobs kommt niemals mehr ein Prediger nach Harlow. Doch das rührt Jamie nicht. Er hat seinen Glauben komplett verloren.

4: Zwei Gitarren. Chrome Roses. Blitzschlag.

Seit einigen Jahren - noch bevor Charlie Harlow verlassen musste - versucht Conrad eher erfolglos, Gitarre spielen zu lernen. Er hat wenig Talent dafür, hat seine Stärken eher im Football. Doch eines Tages, es ist mittlerweile 1969, stößt Jamie eher zufällig auf das vergessene Instrument seines Bruders ... und entdeckt in sich ein unerwartetes Talent. Innerhalb kürzester Zeit kann er einfache Akkorde spielen und beschließt - mit der vagen Absicht, Astrid Soderberg, das neue Mädchen in seiner Klasse, in das er sich verknallt hat, zu beeindrucken - sich selbst das Spielen beizubringen. Er ist gut, so gut, dass sogar ein älterer Schüler, der in der Schulband spielt, schließlich davon Wind bekommt. Norm Irving lässt ihn im Proberaum der Band vorspielen und ist von seinem Talent überzeugt.
Und so landet er in der Band "Chrome Roses" [2] - und nach einem schweißtreibenden, aber insgesamt erfolgreichen ersten Auftritt, bei dem sogar seine Eltern anwesend sind, wird das Spielen zu seiner liebsten Freizeitbeschäftigung. Auch der Erfolg bei den Frauen bleibt nicht aus: Nicht lange und Astrid Soderberg wird auf ihn aufmerksam, nicht lange und sie wird seine Freundin.
Jamie ist 17, als ihm sein Vater und sein Bruder Terry ein Auto schenken, einen 1966er Ford Galaxie. Sie ringen ihm zwei Versprechen ab: Dass er niemals betrunken fährt und dass er Astrid darin nicht schwängert. Letzterer Wunsch wird Jamie von Claire entgegengebracht, die ihren darüber peinlich berührten Eltern als Sprachrohr dient. Jamie ist nicht vor den Kopf gestoßen; an dieser Stelle verrät Jamie dem Leser, dass er Claire nie für irgendetwas hassen wird, wohl aber ihren späteren Ehemann ...
Jamie und Astrid sind 18, als Jamie sich während eines Gewittersturms auf einmal an Reverend Charlie Jacobs' Geschichte von der Himmelsspitze erinnert. Sie fahren hin und erleben ein Naturschauspiel: Der von Charlie beschriebene Mast wird wiederholt von Blitzen getroffen und glüht rot wie ein Hufeisen im Feuer, Elmsfeuer scheint den Berg hinab zu rollen. Obwohl es im Auto sicherer ist, ziehen sie sich in eine liedschäftige Hütte zurück, denn Astrid hat beschlossen, dass die Zeit für ihr erstes Mal gekommen ist: "Ich habe auf den richtigen Moment gewartet - und wenn das nicht der richtige Moment ist, wird es nie einen geben."
Doch so perfekt alles klingt, es ist nicht von Dauer. In wenigen Monaten werden sie sich trennen, auch seine Zeit in der Band Chrome Roses neigt sich dem Ende entgegen. Es ist nicht so dramatisch - so ist nun einmal das Leben, und bald geht es weiter, an der Universität, in einer neuen Band.

5: Der Fluss der Zeit. Porträts in Blitzen. Mein Drogenproblem.

Jamies Leben geht zunehmend bergab; wie fast zu erwarten, bringt es seine Karriere als Gitarrist in verschiedenen Bands mit sich, dass er irgendwann einmal zu Drogen greift. Er wünschte sich manchmal, das Leben sei wirklich wie ein Film und ganz plötzlich stünde in seinem Leben die Einblendung: "14 Jahre später". Doch er muss alles miterleben ... So etwa den Motorradunfall im Jahre 1984, der sein linkes Bein fünfmal bricht und seine Hüfte zertrümmert, weswegen er auf Morphium angewiesen ist. Nicht lange und Jamie Morton ist ein veritabler Heroin-Junkie. Der Tiefpunkt kommt 1992, als ihn seine jüngste Band deswegen in einem Motel zurücklässt. Noch dazu bahnt sich eine heftige Erkältung an und er braucht seine Drogen. Auf der verzweifelten Suche nach mehr Heroin landet Jamie auf einem Jahrmarkt. Dort aber erlebt er eine faustdicke Überraschung.
Eine Art Zaubershow zieht die Massen an, ein ganz besonderer Magier, der seinem Publikum Porträts aus Blitzen verspricht und dazu ein junges Mädchen namens Cathy Morse aus dem Publikum holt. Er verbindet ihr die Augen und schießt mit einem altmodischen Fotoapparat ein von heftigen Blitzen begleitetes Foto ... Danach ist ihr Porträt - ohne Augenbinde, dafür aber in einem schicken Abendkleid - auf eine drei Meter hohe Leinwand gebannt; diese fein herausgeputzte Riesenversion ihrer selbst trägt ein schickes Kleid und Juwelen, bewegt sich sogar wie ein Modell einmal um die eigene Achse, bevor es verblasst. Das Publikum ist begeistert, vor allem, als der Zauberer das greifbare Gegenstück des magischen Fotos aus der Kamera zieht, ein Bild, das niemals verblassen wird und das die mutige Freiwillige wird behalten dürfen. Für alle anderen: Zehn Dollar und sie sind dabei!
Jamie, der an der Grippe erkrankt ist und den ganzen Zaubertrick wie im Delirium miterlebt hat, hat dennoch keinerlei Schwierigkeiten, den Zauberer zu erkennen: Es ist Charles Jacobs.
Jamie verliert vor dessen Bühne das Bewusstsein ... und als er wieder zu sich kommt, findet er sich in Charlies Wohnmobil wieder. Charlie ist lange genug im Jahrmarktgeschäft und hat ein klein wenig Heroin besorgt, um Jamie über das Schlimmste hinwegzuhelfen - ein Blick auf Jamies malträtierte Haut hatte ihm verraten, dass er abhängig ist. Doch erst einmal muss er das Fieber auskurieren. Während einer seiner Fieberschübe teilt er Charlie mit, dass seine Mutter gestorben ist ... und auch seine Schwester Claire.
Als Jamie wieder von der Grippe kuriert ist, giert er nach einem Schuss Heroin, doch Charlie will davon nichts hören. Wenn er diesen Weg gehen will, dann ohne ihn. Doch es gibt eine Alternative: Charlie experimentiert seit langem mit, wie er es nennt, "spezieller Elektrizität" und glaubt, Jamies Sucht damit behandeln zu können. Jamie hält dies für eine wahnsinnige Idee - und doch beschließt er, sich darauf einzulassen.

6: Die elektrische Behandlung. Ein nächtlicher Ausflug. Ein wütender Farmer. Eine Fahrkarte für den Mountain Express.

Im Westen von Tulsa hat Charlie auf einem verlassenen Fabrikgelände eine Halle zu einer Art Forschungslabor umgerüstet: Trotz des Metalldaches und der vielen Glühbirnen ist es wunderbar kühl, und Charlie behauptet nicht nur, die Klimaanlage selbst gebastelt zu haben, sondern auch, Birnen zu verwenden, die keine Hitze produzieren. Aber sein Hauptaugenmerk gilt Jamie, der eingewilligt hat, sich für sein Experiment als Versuchskaninchen zur Verfügung zu stellen.
Ein letztes Mal - davon zumindest ist Charlie überzeugt - darf Jamie sich etwas vom Heroin nehmen, dann kann es losgehen: Charlie setzt ihm Kopfhörer auf, dann drückt er ganz unvermittelt einen Knopf auf einem weißen Kasten. Es ist, so scheint es, in Sekundenbruchteilen vorbei, doch danach kann Jamie nur hilflos stottern: "Etwas ist passiert, etwas ist passiert, etwas ist passiert." Bis Charlie ihm eine schallende Ohrfeige versetzt. Jamie erfährt, dass mindestens vier Stunden vergangen sind, seit Charlie den Schalter umgelegt hat.
In der Zeit scheinen sie über vieles gesprochen zu haben, vor allen Dingen über Claire, die Lehrerin geworden war. Sie hatte mit Paul Overton eindeutig den Falschen geheiratet; er verprügelte sie, bis Jamies ältester Bruder Andy ihm drohte, er würde ihn umbringen. Schließlich ließ Claire sich scheiden - doch Paul überfiel sie nach Unterrichtsschluss in einem Klassenzimmer, erschoss sie und dann sich selbst.
Jamie hat noch immer unkontrollierbare Zuckungen, doch Charlie versichert ihm, dass das vorbeigehe ... Das habe er nämlich schon einmal gesehen.
Aber Jamies Suchtproblem ist vorbei: Rückblickend kann er berichten, dass er nie mehr irgendwelche Drogen angerührt hat. Mehr noch: Auch sein Hinken war wie weggeblasen.
Jamie wird vorübergehend zu Charlies Assistent bei seiner Show. Er erfährt, dass Charlie seine Idee zu den Blitz-Porträts auf einem Jahrmarkt namens Joyland hatte [3] und dass er nie gerne zu lange an ein und demselben Ort bleibt. Jamie weiß, dass er ihn bei seinem nächsten Tripp nicht begleiten wird; der Mann, der von seiner "geheimen Elektrizität" besessen ist und sich immer wieder Fotos seiner verstorbenen Familie anschaut, ist ihm gelinde unheimlich geworden.
Eines Nachts erlebt Jamie einen gruseligen Rückfall: Schlafwandelnd erwacht er im Freien, er murmelt immer wieder "Etwas ist passiert" und sticht sich unkontrolliert mit einer Gabel, bis er sich endlich zusammenreißen kann. Es ist eine Episode, die er Charlie gegenüber nie erwähnt.
Am letzten Tag ihrer Show in Tulsa geschieht etwas völlig Unerwartetes: Ein vor Wut ganz aufgebrachter Mann bricht in Charlies Wohnmobil ein und schlägt ihn nieder; in letzter Not gelingt es Jamie, ihn soweit zu beruhigen, dass er von Charlie ablässt und ihnen sagt, was er überhaupt will. Er ist der Vater von Cathy Morse, des Mädchens, das Charlie jüngst porträtiert hat. Sie war so entzückt von ihrem noblen Aussehen auf dem Blitz-Porträt, dass sie am hellichten Tag in einen Juwelierladen einbrach, um vor den Augen der Verkäufer etwas zu entwenden, was gut zu ihrem Kleid passe ... Es gelingt Charlie und Jamie, Mr. Morse zu beschwichtigen, der die Aussichtslosigkeit seiner Wut einsieht, doch Jamie glaubt zu begreifen, dass ein Blitz-Porträt etwas mit den Fotografierten anstellt: Sie verlieren ein wenig von ihrem Verstand.
Am nächsten Tag ist Charlie schon wieder verschwunden. Er hinterlässt Jamie ein Ticket für den Mountain Express; Jamie soll nach Denver zu einem Hugh Yates fahren, der Charlie noch etwas schuldet. Jamie, der keine bessere Idee hat, löst das Ticket ein.

7: Heimkehr. Die Wolfjaw Ranch. Gott heilt wie der Blitz. Taub in Detroit. Prismatische Erscheinungen.

Jamie während seines Traumes
Rückblickend aus dem Jahr 2008 gibt Jamie Details über den Tod seiner Schwester preis, der gleich dreimal ins Gesicht geschossen worden war. Zudem ist mittlerweile sein Vater und sein ältester Bruder verstorben.
Auf der Fahrt zu Hugh Yates hatte Jamie erstmals einen Albtraum, der ihn noch 2008 gelegentlich heimsucht: Darin suchen ihn seine toten Familienmitglieder heim - doch natürlich lebten Andy und sein Vater 1992 noch. Deshalb wollte Jamie ihn immer von dem Prostatakrebs warnen, der ihn heimsuchen würde. Tatsächlich ließ Andy sich auch operieren - Jamies Vorhersage nämlich stimmte -, dennoch raffte ihn ein Schlaganfall hin. Jamie ist überzeugt, dass seine Vorahnung etwas zu tun hatte mit dem Elektroschock, der ihn von seiner Sucht heilte ...
Im Jahr 2008 ist Jamie noch immer Musiker und verdient gutes Geld als Mitverantwortlicher für ein Tonstudio namens Wolfjaw Ranch. Dort ist er mittlerweile seit 16 Jahren, seit Jacobs ihn zu dem Studiobesitzer Hugh geschickt hatte. Das Studio hat mit namhaften Künstlern zusammengearbeitet und hat sich fest im Musikbusiness etabliert, sodass Jamie auch an dem Tag gut zu tun hat, als Charles Jacobs zum dritten Mal in sein Leben tritt. Doch diesmal ist es Jamies Partner und Freund Hugh Yates, der über diesen Namen stolpert. Wie es aussieht, ist der Reverend, der sich mittlerweile Danny Jacobs nennt, als Evangelist auf einer Tour, die im Juni im nahen Norris County gastiert. Er gibt sich als mystischer Heiler aus, der die Kranken vermittels heiliger Ringe von ihren Leiden kuriert.
Jamie kann es nicht fassen, doch Hugh will unbedingt mit ihm dorthin gehen. Jamie hatte schon lange den Verdacht, jetzt aber erst wird klar, dass Jacobs einst auch Hugh heilte - das war der "Gefallen", den Hugh dem Reverend noch schuldete, als er einst Jamie aufnahm. In Hughs Fall erfolgte diese Heilung im Jahr 1983. Damals war der Gitarrist mit seiner Band Johnson Cat auf dem Höhepunkt des Erfolgs, bereitete sich vor auf einen großen Auftritt in Detroit. Doch kurz davor, während eines Konzerts in Bloomington, begannen die Ohrgeräusche, gefolgt von Schwindel und Übelkeit, bis er auf der Bühne zusammenbrach. Zuerst schrieb Hugh den Tinnitus - eine typische Musikerkrankheit - dem Stress zu, doch es wurde immer schlimmer: Kurz darauf war er taub. Die Band hatte keine andere Wahl als ihn vor dem großen Gig zu feuern.
Noch in Detroit wanderte Hugh ziellos durch die Stadt, als ihm ein Laden für altmodische Elektronikwaren auffiel. Dort lernte er Charles Jacobs nennen. Kaum erfuhr dieser von Hughs Leiden [4], als er ihm auch schon eine Behandlungsmethode mit spezieller Elektrizität vorschlug. Hugh, der damals ernsthaft über Selbstmord nachdachte, stimmte zu ... Jacobs legte ihm Ringe an die Schläfen und verpasste ihm einen Stromstoß - augenblicklich konnte Hugh wieder hören, wie er bald feststellte, sogar besser als je zuvor.
Voller Dankbarkeit half Hugh seinem Retter bei einem Umzug, doch konnte er auch Nebenwirkungen seiner Wunderheilung nicht leugnen: Kurze Blackouts und etwas, was er für sich selbst "Prismatik" nannte - plötzliche Anfälle, während derer er die Welt wie durch ein Prisma wahrnahm, voller verrückter Farben und Lichtbrechungen. Es kam ihm so vor, als könnte er in eine andere Welt schauen, eine echtere Welt. Hugh ist froh, dass diese Anfälle vorübergehender Natur waren.
Nach dieser Geschichte forscht Jamie ein wenig im Internet nach und ist überrascht, wie präsent Jacobs dort ist. Der Fernsehprediger hat seit langem eine eigene, sehr populäre Show, Episoden, die unterwegs während seiner Zelt-Predigten (orig.: Tent Revivals) aufgenommen wurden. Nun ist Jamie tatsächlich sehr gespannt darauf, eine dieser Zeltshows mitzuerleben.
(Zu Teil II der Inhaltsangabe)

Anmerkungen zur Inhaltsangabe

  1. Auch Gates Falls und Castle Rock werden erwähnt.
  2. Früher nannten sie sich die "Gunslingers".
  3. Dieser Park ist natürlich Namensgeber für Kings Roman Joyland; erwähnt werden Mysterio's Mirror Mansion und die Hollywood Mädchen, die die Fotos der Besucher schossen.
  4. Die Ärzte diagnostizierten Morbus Menière, eine Krankheit des Innenohres.
V E Artikel zu Revival
RomanRezensionenInhaltsangabeFilmprojekt • Coverpage
Charaktere: Jamie Morton • Charles Jacobs • Patsy Jacobs • Claire Morton • Richard Morton • Andy Morton • Laura Morton • Terry Morton • Conrad Morton • Astrid Soderberg • Hugh Yates

Schauplätze: Harlow • Goat MountainHarlow First Methodist ChurchHimmelsspitzeTulsaWelt der MutterNihilWolfjaw Ranch
Sonstiges: Die Geheimnisse des WurmesMutterAmeisenkreaturenJacobs' ErfindungenRevival: ZeitstrahlNachwirkungenOpfer von Charles JacobsGeheime Elektrizität