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Finderlohn: Rezension: Unterschied zwischen den Versionen

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Fazit: Spannend bis zum Schluss und ein Leckerbissen für jeden, der nachvollziehen kann, wie einen Literatur prägen kann. Und dann kommt da noch eine gelungene Erinnerung an eine gewisse [[Annie Wilkes]]. Sie wird zwar nie genannt, doch jeder King-Fan wird bei den letzten Szenen an sie denken.
 
Fazit: Spannend bis zum Schluss und ein Leckerbissen für jeden, der nachvollziehen kann, wie einen Literatur prägen kann. Und dann kommt da noch eine gelungene Erinnerung an eine gewisse [[Annie Wilkes]]. Sie wird zwar nie genannt, doch jeder King-Fan wird bei den letzten Szenen an sie denken.
  
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Hat dieses Buch wirklich King geschrieben?
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Auf den Inhalt möchte ich nicht weiter eingehen, der ist an anderer Stelle hinreichend beschrieben. Einiges zum Stil jedoch. Dieser hat mich enttäuscht. Er ist geradezu anfängerhaft und erinnert mich an die Verlagseinsendungen junger Autoren, die ich gelegentlich beurteile. Die sehr in die Länge gezogenen Szenen werden mit flachen Mitteilungen über Handy-Klingeltöne, Hollywoodfilme und wenig tiefgründige Gefühlswelten gefüllt. Der moralisch erhabene Pete tut etwas Verbotenes (!), aber man lässt es ihm gerade noch so durchgehen, schließlich tut er es für seine arme Schwester, die am Boden zerstört ist, weil sie nicht die Privatschule besuchen kann, wo man tolle Schuluniformen bekommt. Natürlich lernt auch Pete seine Lektion und wird so etwas in Zukunft nicht mehr machen. Das Buch strotzt nur so von Klischees, die man aus amerikanischen Seifenopern kennt. Hodges ist der klassische Fernsehdetektiv, der ab und zu ein klein wenig die Regeln übertritt, um einem Bösewicht das Handwerk zu legen. Er tut das natürlich aus Überzeugung, weil er Bösewichte nicht leiden kann. <br>
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Die Figuren scheinen schlechten Fernsehserien entnommen zu sein. Einzige Ausnahme ist Morris, der in der ersten Hälfte des Buches sehr gehaltvoll und fast schon ambivalent geschildert wird. Der Leser kann mit dem Bösewicht mitfühlen und erlangt authentische Einblicke in das Innenleben einen Verrückten. Ab der zweiten Hälfte jedoch verfliegt auch dieser Blick und Morris wird als Paradepsychopath geschildert, sodass der durchschnittliche Leser nur noch auf dessen qualvollen Tod hoffen kann. Er wird nicht enttäuscht. Wenn man Bücher wie Sara gelesen hat, ist man mit so etwas nicht mehr zufrieden.<br>
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Wüsste ich nicht, dass das Werk von King unterschiedliche Qualität aufweist, würde ich geradezu glauben, dass er dieses Buch nicht selbst geschrieben hat. Das Nachwort enthält Danksagungen, aus denen klar wird, dass viele Personen professionell mitgeholfen haben. Ihre Beiträge finden sich auf jeder Seite, steht dort. Und es ist auch nur logisch, dass hinter einem millionenschweren Autor eine ganze Armada von professionellen Helfern steht. Damit er sich auf das konzentrieren kann, worin er ein Genie ist, das Schreiben. Aber wäre es nicht auch möglich, dass es diesmal umgekehrt gelaufen ist? Dass King vielleicht ein Gerüst geliefert hat, das dann von handwerklich begabten Autoren zu einem Roman ausgearbeitet wurde, natürlich immer unter seiner Aufsicht? Nein, ein Stephen King hat so etwas nicht nötig. Er hat in seinem Leben genug Geld verdient, warum sollte er seinen Namen aufs Spiel setzen? Und dennoch bleibt mir nach diesem Buch ein seltsamer Nachgeschmack.

Version vom 17. September 2015, 08:55 Uhr

V E Artikel zu Finderlohn
RomanMr. Mercedes TrilogieInhaltsangabeRezensionenSerienprojekt • Coverpage
Charaktere: Holly GibneyPete SaubersMorris BellamyBill HodgesPete HuntleyJohn RothsteinJerome RobinsonAndrew Halliday

Schauplätze: AuditoriumHallidays Antiquariat
Sonstiges: Opfer des Mercedes-KillersFinders Keepers (Agentur)Fortsetzungen (Romane)Rothsteins Werke

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Croaton (4 / 5)

Den zweiten Teil der Mr. Mercedes Trilogie, Stephen Kings Finderlohn, habe ich in wenigen Tagen nur so verschlungen. Es fängt schon genial an, denn wie der in die Jahre gekommene Schriftsteller John Rothstein von drei Verrückten überfallen und beraubt wird, ist spannend, sein gewaltsamer Tod ein erster Schock. Es geht brillant weiter, da das nächste Kapitel parallel zu dem Anfang in Mr. Mercedes angelegt ist und die Wahnsinnstat des Mercedes Killers aus der Sicht eines weiteren Opfers darstellt.
Als dann die Hauptfigur, der Jugendliche Pete Saubers, dazu kommt, nimmt der Roman noch mehr Fahrt auf, schildert sehr fesselnd abwechselnd zum einen das Schicksal des Rothstein-Mörders Morris Bellamy im Jahr 1978 und Petes Überraschungsfund über 30 Jahre später, denn Pete wohnt nichtsahnend im Elternhaus jenes Killers und findet Morris' Beute ...
Diese Beute freilich ist das Kernstück des Romans: hunderte Notizbücher des toten Schriftstellers, für dessen Inhalt Morris über Leichen zu gehen bereit ist und der auch den literaturbegeisterten Pete in seinen Bann schlägt. Wie es King gelingt, hier die Besessenheit für Bücher und fiktive Helden zu schildern, ist unübertrefflich, und jeder echte Buchfan wird sich hier wiedererkennen - und für viele Leser wird sich ganz automatisch die Frage aufdrängen: Was würde ich dafür tun, um hunderte geheim gehaltene Notizbücher von Stephen King in die Finger zu bekommen?! Das macht alle folgenden Aktionen nachvollziehbar.
Der Roman hat noch zwei große Stärken: Da sind zum einen viele Überraschungsmomente und viele Gelegenheiten für King, die Spannungsschraube mal so richtig zuzudrehen, was er auch tut (wenn Morris in dem Freizeitzentrum Unterschlupf findet, wo die Notizbücher versteckt sind, mag man sich die Fingernägel abkauen). Zum anderen ist Morris Bellamy einer der besten und nachvollziehbarsten Bösewichte seit langem, sticht in seiner Darstellung sogar noch den Mercedes Killer Brady Hartsfield aus. Bis zu einem gewissen Punkt hat der Leser Mitleid mit dem vom Schicksal arg gebeutelten Morris, feuert ihn gelegentlich vielleicht gar an, weil man eigene Charakterzüge in ihm wiedererkennen mag. Irgendwann aber übernimmt der Psychopath in ihm - und dann hat man vor ihm nur noch Angst.
Trotz allem: Für 5 Punkte reicht es nicht. Das liegt zum einen daran, dass das Team rund um Bill Hodges (der übrigens erst auf Seite 135 seinen ersten Auftritt hat) reichlich austauschbar und keineswegs so zentral wie im Vorgängerroman ist, aber das wäre noch zu verkraften. Nicht zu verkraften ist für mich, dass King sich entschieden hat, dem seit dem Ende von Mr. Mercedes im Koma liegenden Brady Hartsfield telekinetische Kräfte zu verpassen - was für ein Fremdkörper in diesem Krimi! Gut, für Finderlohn selbst ist das nicht so tragisch, doch es ist hiermit klar, dass der dritte Teil, End of Watch, übersinnliche Aspekte aufweisen wird, was King sich bei dieser Trilogie wirklich hätte ersparen können.

Fazit: Spannend bis zum Schluss und ein Leckerbissen für jeden, der nachvollziehen kann, wie einen Literatur prägen kann. Und dann kommt da noch eine gelungene Erinnerung an eine gewisse Annie Wilkes. Sie wird zwar nie genannt, doch jeder King-Fan wird bei den letzten Szenen an sie denken.

Mondial (2 / 5)

Hat dieses Buch wirklich King geschrieben?

Auf den Inhalt möchte ich nicht weiter eingehen, der ist an anderer Stelle hinreichend beschrieben. Einiges zum Stil jedoch. Dieser hat mich enttäuscht. Er ist geradezu anfängerhaft und erinnert mich an die Verlagseinsendungen junger Autoren, die ich gelegentlich beurteile. Die sehr in die Länge gezogenen Szenen werden mit flachen Mitteilungen über Handy-Klingeltöne, Hollywoodfilme und wenig tiefgründige Gefühlswelten gefüllt. Der moralisch erhabene Pete tut etwas Verbotenes (!), aber man lässt es ihm gerade noch so durchgehen, schließlich tut er es für seine arme Schwester, die am Boden zerstört ist, weil sie nicht die Privatschule besuchen kann, wo man tolle Schuluniformen bekommt. Natürlich lernt auch Pete seine Lektion und wird so etwas in Zukunft nicht mehr machen. Das Buch strotzt nur so von Klischees, die man aus amerikanischen Seifenopern kennt. Hodges ist der klassische Fernsehdetektiv, der ab und zu ein klein wenig die Regeln übertritt, um einem Bösewicht das Handwerk zu legen. Er tut das natürlich aus Überzeugung, weil er Bösewichte nicht leiden kann.

Die Figuren scheinen schlechten Fernsehserien entnommen zu sein. Einzige Ausnahme ist Morris, der in der ersten Hälfte des Buches sehr gehaltvoll und fast schon ambivalent geschildert wird. Der Leser kann mit dem Bösewicht mitfühlen und erlangt authentische Einblicke in das Innenleben einen Verrückten. Ab der zweiten Hälfte jedoch verfliegt auch dieser Blick und Morris wird als Paradepsychopath geschildert, sodass der durchschnittliche Leser nur noch auf dessen qualvollen Tod hoffen kann. Er wird nicht enttäuscht. Wenn man Bücher wie Sara gelesen hat, ist man mit so etwas nicht mehr zufrieden.

Wüsste ich nicht, dass das Werk von King unterschiedliche Qualität aufweist, würde ich geradezu glauben, dass er dieses Buch nicht selbst geschrieben hat. Das Nachwort enthält Danksagungen, aus denen klar wird, dass viele Personen professionell mitgeholfen haben. Ihre Beiträge finden sich auf jeder Seite, steht dort. Und es ist auch nur logisch, dass hinter einem millionenschweren Autor eine ganze Armada von professionellen Helfern steht. Damit er sich auf das konzentrieren kann, worin er ein Genie ist, das Schreiben. Aber wäre es nicht auch möglich, dass es diesmal umgekehrt gelaufen ist? Dass King vielleicht ein Gerüst geliefert hat, das dann von handwerklich begabten Autoren zu einem Roman ausgearbeitet wurde, natürlich immer unter seiner Aufsicht? Nein, ein Stephen King hat so etwas nicht nötig. Er hat in seinem Leben genug Geld verdient, warum sollte er seinen Namen aufs Spiel setzen? Und dennoch bleibt mir nach diesem Buch ein seltsamer Nachgeschmack.